SELF LOVE AS AN ACT, NOT A FEELING

SELF LOVE AS AN ACT, NOT A FEELING

Es ist der 14. Februar - Valentinstag - und die ganze Welt feiert die romantische Zweisamkeit. Es werden Blumen gekauft und Schokoladen. Es wird idealisiert und romantisiert. Nichts ist so erstrebenswert, wie eine romantische Beziehung, schreit gefühlt jedes zweite Produkt im Supermarkt und die Werbetafel am Hauptbahnhof. Die Liebe zwischen zwei Menschen, am besten noch eine heteronormative. Okay. Und das gilt, nicht nur am Valentinstag. Es gilt schon immer, irgendwie. Ich kann mich an keine Disney Prinzessin erinnern, (außer an eine), die auf die romantische Liebe gepfiffen und sich um sich selbst gekümmert hat. Oder irgendeinen Spielfilm. Ihr etwa? Wie ist das denn mit dieser anderen liebe, einer sehr wichtigen sogar:

Selbstliebe. Sich selbst lieben. Die Liebe zu sich selbst. Oder wie jetzt?

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, ich dem ich einmal über romantische Beziehungen gesagt habe: “Love is not only a feeling, it’s also a decision.” - so oder so ähnlich sehe ich das auch mit der Beziehung zu mir selbst. Während das Gefühl des Verliebtseins, der Zuneigung und der Wunsch nach Nähe scheinbar jedoch wie von ganz alleine kommt - erst nach einiger Zeit scheint dann die Arbeit dazuzukommen, um dieses Gefühl auch aufrecht zu erhalten - verhält es sich mit der Selbstliebe oft nicht so, zumindest nicht für viele von uns. Warum fällt uns dieser Akt so schwer?

Sich selbst zu mögen

hat nichts mit Eitelkeit oder Egoismus zu tun. Es ist lebensnotwendig. Bis mir das selbst klar wurde, hat es jedoch lange gedauert, ich würde sagen, so um die 22 Jahre. Nach meiner eher selbstzerstörerischen Phase als Teenager und junger Frau wurde mir irgendwann klar, dass weder mit meinem Körper, noch mit meiner Persönlichkeit irgendetwas falsch ist, dass ich nicht unendlich Zeit hier habe und dass ich endlich damit anfangen muss, für mich selbst gerade zu stehen. Bis dahin war es ein langer Weg und diese Erkenntnis kam, wie schon gesagt, nicht über Nacht. So nach und nach, durch Erfahrungen, Freundschaften, Loslassen, Trennungen, Therapie, Reisen, Lesen, kurz, Leben, habe ich jedoch einige Tools gefunden, die für mich persönlich funktionieren und mir dabei helfen, Selbstliebe jeden Tag zu praktizieren. Richtig, praktizieren, und nicht zu fühlen.

SICH SELBST KENNEN(LERNEN)

Wer bin ich? Was macht mich aus? Was mache ich gerne? Was liegt mir weniger? Wie bin ich aufgewachsen? Wie ist die Beziehung zu meiner Familie und was sagt das über mich aus? Wodurch wurde ich geprägt? Was sind typische Verhaltensmuster, die ich immer wieder zeige - in bestimmten, in guten und in weniger angenehmen Situationen? Was tut mir gut und was nicht? Welche Werte sind mir wichtig? Wovon träume ich?

All diese Fragen könnte ich vermutlich nicht mal an einem Tag beantworten - man findet sie jedoch heraus, nach einer gewissen Zeit. Nimm dir doch mal einen Nachmittag, oder gar mehrere, Zeit für dich, einen Stift und ein Notizbuch und schreibe diese Fragen und alles, was dir sonst noch einfällt, für dich selbst hinunter.

LOSLASSEN

Von Dingen, von Menschen, Beziehungen, Anforderungen. Ich kann und muss nicht alles haben in meinem Leben, weder zwei prall gefüllte Kleiderschränke, noch einen Doktor in Philosophie. Ich kann nicht an alles denken und ich muss es auch nicht allen recht machen, außer einer einzigen Person auf dieser Welt. Und genau so, wie ich mich regelmäßig von materiellen Gegenständen trenne, so tue ich das auch von Menschen. Menschen, auf die ich mich vor einem Treffen nicht ehrlich freue, die mich nicht inspirieren, die mich nervös oder unzufrieden machen, die mir meine Energie nehmen. Freunde, die sich in ganz andere Richtungen entwickelt haben. Und auch an Menschen, die mich zu oft traurig gemacht haben, muss ich nicht für immer festhalten. Irgendwann ist Zeit loszulassen - und das muss kein trauriger Abschied, nein, das muss gar keine negative Assoziation mit sich bringen. Ich denke dann an die schönen gemeinsamen Erlebnisse, glückliche Momente und lasse die Person, die Vorstellung oder die Sache mit Liebe frei.

BEWEGUNG

Sprich: meinem Körper und mir etwas Gutes tun. Das kann ein 2km oder 20km Lauf sein, das kann Yoga sein, Spinnig oder ein Spaziergang. Erwiesen ist: Bewegung ist Pflege für Körper, Geist und Seele. Ich bin leistungsstärker, ich fühle mich besser. Durch regelmäßige Bewegung habe ich gelernt, mit meinem Körper, statt gegen ihn zu arbeiten. Auf Grund meiner Neugier, mal alles ausprobieren zu wollen (ich habe lange Ballett getanzt, bin im Verein geschwommen, habe mich am Kickboxen versucht, am Crossfit, Yoga, Laufen, Poledance, Spinnig … ), habe ich meinen Körper, seine Stärken und Schwächen immer besser kennengelernt und tue das noch weiterhin, entwickle ein immer besseres Körpergefühl. Bewegung ist für mich wie Hygiene von innen: ich schütte Endorphine aus und fühle mich einfach großartig danach. Sei es ein langer Spaziergang oder eine high intensiv Spinnig Class, ich möchte regelmäßige Bewegung im Alltag nicht mehr missen, da mir der Unterschied ohne dann doch zu sehr auffällt.

MACH LANGSAM

Über mich selbst würde ich sagen, dass ich ein eher introvertierter und sensibler Mensch bin. Ich bin unglaublich gerne unter Menschen und habe tolle Freunde! Aber auch wenn das für viele seltsam klingen mag: Events, Geburtstag und Parties sind für mich oft eine Herausforderung. Laute Musik, neue Menschen, die ich nicht gleich einschätzen kann, mich immer wieder vorstellen, erklären, präsent sein, charismatisch sein, gute Laune haben, viel reden, das laugt mich unheimlich aus. Oft komme ich nach einem langen Tag nach Hause und möchte einfach mit niemand sprechen. Oder ich komme von einer zweiwöchigen Reise wieder, während der ich kaum alleine war und nehme erst mal keine Verabredungen an. Und das ist okay so.

“Ich brauche Zeit für mich. Das wird mir etwas zu viel.”

Sind zwei Sätze, die meine wirklich guten FreundInnen mittlerweile von mir kennen und akzeptieren. Während ich früher auf jeder Hochzeit tanzen und eines jeden Erwartungen erfüllen musste, und es mir somit oft selbst schwer gemacht habe, akzeptiere ich heute, dass ich jemand bin, die viel Zeit für sich braucht. Langsam machen, nein sagen und auf sich selbst hören sind für mich Akte der Selbstliebe.

(GESUNDE) ERNÄHRUNG

Darunter verstehe ich: Essen, das mich nicht nur satt macht, sondern gesund, stark, leistungsfähig, gut ist für meine individuellen Bedürfnisse wie Verdauung, Vorlieben etc. Ehrlich gesagt hatte ich schon immer einen sehr “frischen” und gesunden Geschmack und mochte Fast Food, Frittiertes und co. seit ich ein Kind war noch nicht besonders gerne. Durch unsere Food Choices haben wir jeden Tag die Möglichkeit, das Beste für uns und unsere Gesundheit zu tun. Und das hat nichts mit Verzicht zu tun - im Gegenteil, es bietet mir die Gelegenheit, kreativ zu werden, Neues auszuprobieren und vor allem nicht engstirnig und einseitig zu werden, sondern meinen Horizont immer zu erweitern. Seit nun bald sieben Jahren verzichte ich auf tierische Produkte und das hat für mich nicht nur viel mit meinem Gewissen zu tun, sondern möchte ich auch keine tierischen Sekrete, Muskelfasern, verarbeitete Muttermilch von Kühen und totes Fleisch in meinem Körper wissen. Ich möchte ihn stärken, ihm Gutes tun. Auch Innehalten, bewusst essen und Dankbarkeit für die Mahlzeit, die Ressourcen, die in den Inhalt des Tellers geflossen sind, gehören für mich zum gesunden Essen dazu.

Jedoch gibt es auch diesen einen Riegel, den ich unglaublich gerne mag. Ich stehe total auf die Pancakes mit veganer Butter, die mein Freund mittlerweile perfektioniert hat. Und sobald die Temperaturen etwas wärmer sind … ach quatsch, eigentlich liebe ich Schokoladeneis zu jeder Jahreszeit! Manchmal überkommt mich einfach krasse Lust auf etwas ganz bestimmtes. Und dann ist das entweder, weil mein Körper mir ein Zeichen geben möchte, dass ihm etwas fehlt, wie mehr Wasser, mehr Fett, mehr Eiweiß, Elektrolyte … oder ich hab mir einfach in den Kopf gesetzt, dass ich heute vegane Donuts mit Cremefüllung möchte und dann esse ich auch vegane Donuts mit Cremefüllung. Mir etwas gönnen - und nicht zu kompensieren oder mich mit Süßkram zu belohnen, das meine ich nicht - gehört für mich genau so zu gesunder Ernährung wie Brokkoli und co.

VERZEIH DIR

Beobachte dich mal. Wenn du die Klausur in die Tonne haust. Wenn du verschläfst. Wenn du drei Teller Lasagne isst. Glaubst du, du würdest die selben Dinge, die du zu dir selbst sagst, zu jemand in deinem Freundeskreis sagen?

Eine Klausur verhauen? Komm, ist nicht so schlimm. Du schaffst es beim nächsten Mal.
Verschlafen? Ach, passiert.
Drei Teller Lasagne gegessen? Good on you!

Anstatt immer so perfektionistisch und überkritisch mit mir zu sein, kann ich meine negativen Gedanken auch einfach umdrehen. Hier muss ich zugeben, dass auch ich noch in keinster Weise Meisterin darin bin, nicht zu hart mit mir selbst ins Urteil zu gehen. Es ist Teil des Wegs, der noch vor mir liegt, was ich mir als persönliches Ziel setze und woran ich situationsbedingt arbeite.

BYE BULLSHIT - BE HONEST

Der zweite Punkte, an dem ich persönlich noch viel arbeiten möchte. Ich werde besser, aber: es fällt mir oft immer noch schwer, anderen zu sagen, wenn mir etwas nicht gefällt und ich nicht derselben Meinung bin. Dafür zu sorgen, dass andere sich wohl fühlen und sie ja nicht in Verlegenheit zu bringen, wird uns oft von klein auf eingetrichtert. Dabei ist Offenheit, Ehrlichkeit und klare Kommunikation für beide Seiten so viel vorteilhafter, als gezwungene, unehrliche Höflichkeit. Und das muss in feinster Weise ungehobelt oder unsensibel sein. Hier ein paar Beispiele, die ganz leicht über die Lippen zu bringen sind:

“Das fühlt / hört sich für mich nicht richtig an.”
”Das hat mich verletzt.”
”Darauf habe ich keine Lust.”
”Ich verstehe dich, jedoch sehe ich das anders …”

Oft genug habe ich Emotionen und Gedanken in mich hineingefressen, weil ich dachte, diese zu äußern wäre so etwas wie eine Beleidigung. Leider passiert mir das ganz besonders oft bei Menschen, die ich gerne habe und die mir wichtig sind. Je enger meine emotionale Bindung zu der Person, desto weniger möchte ich ihr nahe treten und desto mehr überdenke, oder eher “zerdenke” ich, wie ich etwas äußern kann, ohne mein Gegenüber in eine unangenehme Situation zu bringen. Wenn ich dann doch mal ein Problem oder einen Gedanken anspreche, fühlt sich das wie eine unglaubliche Erleichterung an. Denn siehe da, es lässt sich über alles reden und wie so oft frage ich mich, warum ich diese eine Sache nicht schon früher angesprochen habe; stattdessen auf mich gehört und meine eigenen Grenzen akzeptiert, ja, Selbstliebe praktiziert habe.


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UM HILFE BITTEN

… ist kein Zeichen von Schwäche oder Aufgeben. Vielmehr ist es ein Akt der Selbstverantwortlichkeit und Vernunft, zu erkennen, dass ich hier nicht weiterkomme. Um uns herum gibt es so viele Menschen, die uns lieben und nur das Beste für uns wollen, oder gar jemand Fremdes. Auch wenn es erst einmal Überwindung kosten mag: auch du verdienst Beistand und Unterstützung. Don’t feel ashamed to ask for it.

DIE KLEINEN DINGE

Tu dir etwas Gutes: jeden Tag. Das muss keine teure Massage, ein 3 Gänge Menu oder ein Urlaub sein. Ich bestimme, wie viel Schönheit und Gutes mein Kopf wahrnimmt und somit auch meinen gesamten Tag. Das kann sein: kurz stehen bleiben, wenn die Sonne scheint und einmal ein- und ausatmen. Lächeln. Schöne Musik anzumachen, während man kocht. Sich einmal kurz strecken. Nochmal lächeln. Jemand ein Kompliment machen. Eine kurze Dance-Sesh im eigenen Schlafzimmer. Dankbarkeit. Erdnussbutter und Granatapfel in meine Müslischale geben.

Dieser Beitrag könnte vermutlich noch etwas länger werden. Dafür, dass ich mich eigentlich kurz und knapp fassen wollte, ist er schon recht lang geworden. Falls ihr doch noch etwas ergänzen möchtet: teilt gerne euren Rat zum Thema Selbstliebe in den Kommentaren.

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